{"id":344,"date":"2000-12-15T00:00:18","date_gmt":"2000-12-14T23:00:18","guid":{"rendered":"http:\/\/roetelbergranch.de\/?p=344"},"modified":"2019-08-15T15:54:18","modified_gmt":"2019-08-15T13:54:18","slug":"professionelle-reiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/roetelbergranch.de\/?p=344","title":{"rendered":"Professionelle Reiter!?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Vorwort<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Artikel ist im Jahre 2000 erschienen. Die Problematik also weder neu, noch eine &#8218;Zeiterscheinung&#8216;!<\/p>\n\n\n\n<p>Auch ein Quali-System, wie es momentan im Gespr\u00e4ch ist, sch\u00fctzt nicht vor krankem Ergeiz und Geldgeilheit!<\/p>\n\n\n\n<p>Deswegen, und nur deswegen, weil wir mit dem, was sich in der Disztanzreiterszene mittlerweile abspielt, haben wir uns gen\u00f6tigt gesehen, nachfolgenden Artikel, geschrieben von einem ehemaligem Weltspitzen-Reiter, aus der &#8218;Klamottenkiste&#8216; rauszuholen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdenken und Schl\u00fcsse ziehen mu\u00df der Leser jedoch selber&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ist es m\u00f6glich, 160 km mit mehr als 21 km\/h zu reiten?\u00a0<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Von Sergio Tommasi und Lara Rigato (Italien) [aus Distanz Aktuell]<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Vor etlichen Jahren bekamen wir ein amerikanisches Buch \u00fcber Distanzreiten in die H\u00e4nde. Es war 1993- und wir waren gerade in den Sport eingestiegen. Wir waren von diesem Buch sehr beeindruckt, in dessen Vorwort ungef\u00e4hr dieses stand: \u201eDieses Buch ist den Pferden gewidmet, die am 13. Juni 1987 beim Catoosa-\u201eSelbstmord\u201c-Rennen in Oklahoma starben, durch die Unwissenheit ihrer Reiter. M\u00f6ge nie wieder ein Pferd so leiden m\u00fcssen wie diese.\u201c (America\u2019s Long Distance Challenge von Karen Paulo).&nbsp;<br>Einige Jahre sind seither vergangen, aber es scheint, dass niemand diese Worte je gelesen hat. Viele weitere Pferde sind bei Distanzrennen gestorben, f\u00fcr manche w\u00e4re der Tod so und so gekommen, bei vielen anderen war es die Schuld ihrer Reiter.&nbsp;<br>Der Hauptgrund f\u00fcr diesen \u201eGenocid\u201c ist die Geschwindigkeit, in der diese Rennen geritten werden. Wenn man ein Pferd \u00fcber seine Grenzen hinaus treibt, kann seine Bereitwilligkeit zum Tod f\u00fchren, bevor wir merken, was passiert. Wir sprechen \u00fcber bestens trainierte Pferde, die so sorgf\u00e4ltig vorbereitet wurden, wie man das mit einem Auto f\u00fcr ein Formel-I-Rennen machen w\u00fcrde. Bei diesen Ritten wird nichts dem Zufall \u00fcberlassen.&nbsp;<br>Bei einem Hundertmeiler, der k\u00fcrzlich stattfand, dessen Punkte f\u00fcr den Weltcup z\u00e4hlten (mit einem Preisgeld von US$ 400.000), erreichte der Sieger das Ziel nach 7:49 h mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 21 km\/h. Das ist wahrscheinlich ein neuer Weltrekord. Jeder, der schon an Distanzrennen teilgenommen hat, wird verstehen, was es bedeutet, einen so hohen Durchschnitt zu halten.&nbsp;<br>Wenn man einrechnet, dass man zwischendurch auch stehen bleibt, um das Pferd trinken zu lassen, so bedeutet das, dass man teilweise \u00fcber 30 km\/h reiten mu\u00df. Wenn man dann noch bedenkt, dass die Pferde zu Beginn des Rennens noch frisch sind und ihre Leistung w\u00e4hrend des Rittes nachl\u00e4sst, dann erreicht man teilweise sogar 40 km\/h. Fast wie auf der Rennbahn &#8230; Nur dass sie nicht auf einer Rennbahn sind und die zur\u00fcckgelegte Strecke 100 Meilen betr\u00e4gt.&nbsp;<br>Wie ist das m\u00f6glich? Beachten wir einige Punkte. 1986 gewann Cassandra Schuler mit \u201eShikos Omar\u201c die WM in Rom in 10:50:30 h, 1988 gewann Becky Hart mit ihrem legend\u00e4ren \u201eR. O. Grand Sultan (Rio)\u201c die WM in Fort Valley, Virginia, in 12:51:11 h. 1990 war es wieder Becky Hart, noch immer mit \u201eRio\u201c, in Stockholm, einer gro\u00dfteils flachen Strecke, in 10:33:29 h. Jetzt ist die Zeit, mit der man einen Hundertmeiler gewinnen kann, um 3 Stunden k\u00fcrzer geworden. Hart w\u00fcrde jetzt wohl unter den letzten sein. Hei\u00dft das, dass wir noch besser werden k\u00f6nnen?&nbsp;<br>Es ist ihre Entscheidung. Es gibt zwei M\u00f6glichkeiten. Wir haben viele Artikel in Spezialmagazinen und im Internet \u00fcber das Training von Distanzpferden geschrieben und dar\u00fcber, wie wir es machen. Wir reiten kurze Trainingsstrecken jeden zweiten Tag und einen langen Ritt am Wochenende. Dazu machen wir ein bisschen Dressurarbeit, und wir achten besonders auf den Boden und die Entwicklung unserer Pferde. Die Weltklassereiterin Valerie Kanavy hat uns vor etlichen Jahren ein Pferd verkauft. Wir haben sie gefragt, ob sie ein besonders wirkungsvolles Trainingssystem gibt (1993, als sie noch nicht Weltmeisterin war). Mit Verstand und Instinkt passten wir unseren Trainingsprozess jedem Pferd einzeln an, entsprechend seinen Bed\u00fcrfnissen, St\u00e4rken, vor allem mit der gr\u00f6\u00dften Sorge um seine Beine. Wir arbeiteten konsequent und erzielten gute Ergebnisse mit mehreren Pferden. Das ist es, was uns \u201egut bekannt\u201c machte und der Grund, warum viele Leute mit uns \u00fcber ihre Probleme und ihre Pl\u00e4ne reden. Wir waren immer sehr offen und haben nie ein Geheimnis daraus gemacht, wie wir mit unseren Pferden arbeiten.&nbsp;<br>Dennoch \u2013 jetzt sind wir an eine Grenze gelangt. Wir haben nicht die Nerven, sie zu \u00fcberspringen. Obwohl wir gute Pferde haben, haben wir nicht das Herz, sie aufzufordern, so schnell zu laufen. Das Risiko ist zu hoch. Wenn ein Pferd zu solchen Geschwindigkeiten aufgefordert wird, halten seine Beine nur eine bestimmte Zahl von Saisons. Es scheint aber, dass dies vielen Reitern egal ist und f\u00fcr sie nur z\u00e4hlt, als erster im Ziel zu sein. Wenn alles gut geht, k\u00f6nnen sie ihr Pferd gut verkaufen und mit dem Geld andere Pferde kaufen &#8230;<br>Um Pferde auf dieses Niveau zu bringen, mu\u00df man jeden Tag trainieren. Der Sieger des letzten Weltcup-Rennens sagte, dass er sein Pferd bis zu drei mal am Tag trainiert (jawohl dasselbe Pferd!). Es er\u00fcbrigt sich, zu sagen, dass alle unsere Theorien und Konzepte der F\u00fcrsorge f\u00fcr unsere Pferde damit \u00fcber Bord geworden werden. Diese Arte von Training bedingt die Bereitstellung von viel mehr Energie, daher einen ge\u00e4nderten Futterplan, der dem eines Rennpferdes nahe kommt.&nbsp;<br>Jeder, der schon mal ein Bild von \u201eRio\u201c gesehen hat, wird bemerkt haben, wie anders er aussieht im Vergleich zu den heutigen Siegern. \u201eRio\u201c ist kurz, mittelgro\u00df, mit einer sehr tiefen Brust. Heutzutage neigen Distanzpferde dazu, immer mehr dem Rennpferdetyp zu entsprechen, lange Beine, langer K\u00f6rper, gro\u00df und aerodynamisch. Manche Leute reiten den Angloaraber, wie er Sieger der EM in Portugal einer war.&nbsp;<br>Aber gehen wir zur\u00fcck zum urspr\u00fcnglichen Thema und zu den Pferden, die gestorben sind. Es geht das Ger\u00fccht, dass auf etlichen Ritten, die in hei\u00dfen L\u00e4ndern stattfanden, mehrere Pferde eingegangen sind. Es wird berichtet, dass Pferde buchst\u00e4blich zu Boden fielen w\u00e4hrend des Rittes. Ambulanzfahrzeuge fuhren hin und her, in dem Versuch, so viele wie m\u00f6glich zu retten. Diejenigen, die \u00fcberlebten, sind gezeichnet f\u00fcr ihr restliches Leben, und einige werden nie wieder ein Rennen laufen. Wir m\u00f6chten uns nicht vorstellen, wie ihre Tage beendet werden. Tier\u00e4rzte haben manchen Tod verschleiert mit kreativen Diagnosen wie Herzinsuffizienz, wovon niemand, nicht einmal der Reiter selbst, etwas wusste. Wir k\u00f6nnen uns schlecht vorstellen, dass jemand, der an solchen Ritten teilnimmt, nicht die n\u00f6tig Erfahrung hat, seines Pferdes Zustand zu erkennen und zu verstehen.&nbsp;<br>Dennoch \u2013 die Tier\u00e4rzte darf man nicht anklagen. Es ist nicht ihre Schuld, wenn ein Pferd im Vet Gate in Ordnung ist, und in der n\u00e4chsten Etappe bricht es zusammen. Das Pferd wird durch seinen Reiter gef\u00fchrt, der merken sollte, wenn etwas schief l\u00e4uft und das Tempo drosseln sollte. Ein Pferd wird uns nicht sagen, dass es kurz vorm Sterben ist. Sein Instinkt, in der Herde zu bleiben, wird dazu f\u00fchren, dass es bei den anderen bleibt bis es nicht mehr geht. Dieser Typ Reiter glaubt offenbar, wenn alles gut geht, kann das Pferd verkauft werden, man kauft ein neues und probiert wieder.&nbsp;<br>In der Hoffnung, dass neue Staaten Geld in diesen armen Sport einbringen und ihn zu seinem rechtm\u00e4\u00dfigen Platz bei der Olympiade f\u00fchren, haben Europ\u00e4er und Amerikaner gleicherma\u00dfen ihre besten Pferde und ihre Erfahrung angeboten, sie in die Ritte einbezogen und ihnen damit zu eigenen Siegen verholfen \u2013 ungeachtet der Arroganz und Weigerung, die Regeln zu beachten. Diese L\u00e4nder haben die WM, die EM und unz\u00e4hlige Ritte \u00fcberall in der Welt gesponsert.&nbsp;<strong><em>Wer traut sich, aufzustehen und ihnen zu sagen: um einen Distanzritt zu reiten, mu\u00df man ein guter Reiter sein? Wer wagt es, ihnen zu sagen, dass Regeln beachtet werden m\u00fcssen und dass es nett w\u00e4re, wenn sie sich die Zeit n\u00e4hmen, an Siegerehrungen oder den Paraden vor einer Meisterschaft teilzunehmen, dass ein gutes Image nicht wehtun w\u00fcrde, dass man, wenn man in ein Vet Gate kommt, sich genauso um sein Pferd k\u00fcmmern sollte, wie man das zu Hause im Training tut? Niemand traut sich.&nbsp;<\/em><\/strong><br><strong>Mit ihrem Geld haben sie unsere W\u00fcrde und unseren Stolz gekauft<\/strong>.<br>Wenn der Weg zu den Olympischen Spielen mit den K\u00f6rpern von toten oder lahmen Pferden gepflastert ist, dann wollen wir nicht weiter gehen. Die FEI mu\u00df ihre Position \u00fcberdenken: sie kann nicht alles aus der Hand geben, nur um eine ausgeglichene Bilanz zu erreichen. Wir haben nichts gegen die Teilnahme dieser L\u00e4nder. Im Gegenteil, wir sind davon \u00fcberzeugt, dass wir mit ihrer Hilfe diesen wundervollen Sport weiterentwickeln k\u00f6nnen. Aber die Regeln m\u00fcssen sich \u00e4ndern. So wie es jetzt ist, ruinieren die Durchschnittsgeschwindigkeiten die Beine unserer Pferde, und wir erreichen auch vom Stoffwechsel her ihr Limit. Wenn wir nicht mit \u201eWegwerf-Pferden\u201c Rennen reiten wollen, m\u00fcssen wir die Geschwindigkeit reduzieren. Daf\u00fcr gibt es zwei M\u00f6glichkeiten: entweder werden die Strecken technisch anspruchsvoller, oder wir senken die Pulswerte und die Zeit zum Vorstellen in den Vet Gates (beim Eldric-Meeting in London wurde dieses Thema schon angesprochen).&nbsp;<br>Wenn uns ein Journalist fragt, wie man ein Pferd f\u00fcr 100 Meilen vorbereitet, m\u00f6chten wir gar nicht antworten. Vielleicht sind wir altmodisch und lieben unsere Pferde zu sehr. Wenn wir jemanden zum Sieg f\u00fchren wollten, w\u00fcrden wir beschreiben, wie man einem Pferd wehtut, und das k\u00f6nnen wir uns nicht leisten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sergio und Lara<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorwort Dieser Artikel ist im Jahre 2000 erschienen. Die Problematik also weder neu, noch eine &#8218;Zeiterscheinung&#8216;! Auch ein Quali-System, wie es momentan im Gespr\u00e4ch ist, sch\u00fctzt nicht vor krankem Ergeiz und Geldgeilheit! 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