{"id":348,"date":"2003-04-15T00:00:03","date_gmt":"2003-04-14T22:00:03","guid":{"rendered":"http:\/\/roetelbergranch.de\/?p=348"},"modified":"2019-08-15T16:05:58","modified_gmt":"2019-08-15T14:05:58","slug":"der-huf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/roetelbergranch.de\/?p=348","title":{"rendered":"Der Huf"},"content":{"rendered":"\n<p>Beschleunigungsbetrachtungen an der Hornkapsel<br>Durchgef\u00fchrt wurden die Beschleunigungsuntersuchungen von der Universit\u00e4t Utrecht.<\/p>\n\n\n\n<p>Verwendete Hufbeschl\u00e4ge:<\/p>\n\n\n\n<p>Hippoflex-Kunstsoffbeschlag (Firma CERA, Kaufbeuren)<br>Der Kunststoffhufbeschlag (Gewicht 166 g, Dicke 14 mm) ist ein flexibler Polyurethan-Beschlag. Der Grundgedanke bei Form und System dieses Beschlages ist, den Huf \u00e4hnlich dem Barhufl\u00e4ufer zu belasten. Das hei\u00dft, die drei Teile Tragwand, Sohle und Strahl werden als tragende Elemente herangezogen. Die Beschl\u00e4ge sind mit 3 Aufz\u00fcgen (Kappen) versehen, um die auf die N\u00e4gel wirkenden Kr\u00e4fte zu reduzieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Traditioneller Eisenbeschlag ((Firma MUSTAD-Industrie-Eisen, maschinell vorbereitet, wie \u00fcblicherweise verwendet) Gewicht 475,3 \u2013 520,30 g, Dicke 10mm&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Keinen Hufbeschlag (Barhuf)<br>Hierbei trabt das Pferd ohne Beschlag, wie es sich nat\u00fcrlicherweise bewegen w\u00fcrde.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Versuchsaufbau<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es wurden 12 untersucht. Wesentlichster Faktor bei der Pferdeauswahl war der, dass sich die Pferde in der Art der Bewegung sehr \u00e4hneln mussten.<br>Nach dem Vorbereiten der Hufe wurde je nach Messabschnitt, ob f\u00fcr Eisen-, Barhuf- oder Kunststofflauf, eine Aluminiumplatte an einer definierten Stelle des linken Vorderhufes angebracht, die Platte, an der sp\u00e4ter die Messeinheit befestigt wurde. Der Beschleunigungs-aufnehmer verf\u00fcgt \u00fcber drei Messpunkte, die die Beschleunigungen in horizontaler (x), vertikaler (y), und diagonaler (z) Richtung misst. F\u00fcr die Untersuchungen wurden nur die Werte in x- und y-Richtung separat erfasst und dargestellt.\u00a0<br>Am Bildschirm waren die Beschleunigungskurven in den drei beschriebenen Richtungen x, y, und z sichtbar und wurden in der Beschleunigungseinheit m\/s\u00b2 angegeben. Die geforderte Messdistanz betrug 10 m, die Strecke war im Trab mit 3,5 m\/s zu \u00fcberwinden.\u00a0<br>Es wurden Messungen mit 12 Pferden unterschiedlichen Alters durchgef\u00fchrt. Jedes Pferd wurde mit jeder der drei Beschlagsvarianten gemessen. Es mussten von jedem Pferd pro Beschlagsart mindestens 6 korrekte Messungen vorliegen.\u00a0<br>Alle Messungen wurden nacheinander durchgef\u00fchrt, d.h. jedes Pferd durchlief die Messstrecke nacheinander mit allen drei Beschlagvarianten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ergebnisse<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es wurden f\u00fcr die Auswertung nur die Maximalbeschleunigungen in der Vertikalen (x) und Horizontalen (y) herangezogen, da sie das anschaulichste Ergebnis \u00fcber auftretende St\u00f6\u00dfe und das Gleitverhalten liefern. Die drei unterschiedlichen Hufbeschl\u00e4ge wurden varianzanalytisch unter Ber\u00fccksichtigung wiederholter Messungen verglichen. \u201eHufbeschlag\u201c und \u201eMessungen\u201c waren abh\u00e4ngige Variable.\u00a0<br>In Tabelle 1 sind die Maximalbeschleunigungsamplituden in der Vertikalen angegeben, d.h. dieser Wert beschreibt die Maximalst\u00f6\u00dfe, die das Pferd direkt vertikal auf die Hornkapsel erf\u00e4hrt.\u00a0<br>Der paarweise Vergleich der drei unterschiedlichen Hufbeschl\u00e4ge zeigt, dass die Mittelwerte der maximalen vertikalen Beschleunigung beim Kunststoffhufbeschlag bedeutend niedriger liegt, als dies bei einem traditionell geschmiedeten Hufeisen der Fall ist. Verglichen mit dem unbeschlagenem Huf, ist die maximale vertikale Beschleunigung beim Kunststoffbeschlag immer noch deutlich niedriger. Daraus folgt, dass bei den verwendeten Kunststoffhufbe-schl\u00e4gen die Amplitude der vertikalen Beschleunigung bedeutend niedriger ist als beim Barhuf und bei traditionell mit Eisen beschlagenen Hufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Tabelle 1: Mittelwerte der Beschleunigungsamplituden in der Vertikalen<\/p>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table aligncenter\"><tbody><tr><td>Beschlag<\/td><td>Mittelwert<\/td><td>Standardabweichung<\/td><td>Wertebereich<\/td><\/tr><tr><td>Stahl \u00a0<\/td><td>688 m\/s2 \u00a0<\/td><td>293\u00a0<\/td><td>266 &#8211; 1433 m\/s2\u00a0<\/td><\/tr><tr><td>Kunststoff\u00a0<\/td><td>343 m\/s2 \u00a0<\/td><td>251\u00a0<\/td><td>51 &#8211; 1461 m\/s2 \u00a0<\/td><\/tr><tr><td>Barhuf\u00a0<\/td><td>504 m\/s2 \u00a0<\/td><td>219\u00a0<\/td><td>163 &#8211; 1149 m\/s2 \u00a0<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>In der Tabelle 2 werden die Maximalbeschleunigungsamplituden in der Horizontalen dargestellt, die horizontalen Beschleunigungen stellen das Gleitverhalten der einzelnen Beschlagsvarianten dar. Das bedeutet, je niedriger der Beschleunigungswert ist, desto mehr gleitet der Huf auf Asphalt. Der paarweise Vergleich der drei unterschiedlichen Hufbeschl\u00e4ge zeigt, dass die Mittelwerte der maximalen horizontalen Beschleunigungen des Kunststoffhuf- beschlages verglichen mit den traditionellen Beschl\u00e4gen wesentlich niedriger ist. Vergleicht man die bei Kunststoff auftretenden Maximalbeschleunigungen mit unbeschlagenen Hufen, so sind die auftretenden Maximalbeschleunigungen bei Kunststoff mit der Signifikanz von 0,002 immer noch deutlich geringer. Das bedeutet, dass bei Verwendung von Kunststoffhuf- beschl\u00e4gen die am Huf auftretenden horizontalen Beschleunigungen deutlich niedriger sind als bei traditionellen hufeienbeschlagenen und unbeschlagenen Hufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Tabelle 2: Mittelwerte der Beschleunigungsamplituden in der Horizontalen<\/p>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table aligncenter\"><tbody><tr><td>Beschlag<\/td><td>Mittelwert<\/td><td>Standardabweichung<\/td><td>Wertebereich<\/td><\/tr><tr><td>Stahl \u00a0<\/td><td>206 m\/s2 \u00a0<\/td><td>77<\/td><td>30 &#8211; 529 m\/s2<\/td><\/tr><tr><td>Kunststoff\u00a0<\/td><td>205 m\/s2 \u00a0<\/td><td>63\u00a0<\/td><td><br>27 &#8211; 440 m\/s2<\/td><\/tr><tr><td>Barhuf\u00a0<\/td><td>202 m\/s2 \u00a0<\/td><td>124\u00a0<\/td><td>32 &#8211; 582 m\/s2\u00a0<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p><strong>Diskussion der Ergebnisse<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nur wenige Untersuchungen an Pferden wurden mit Beschleunigungsaufnehmern durchge-f\u00fchrt, um den kinetischen Bewegungsablauf zu untersuchen. Die in Utrecht durchgef\u00fchrte Untersuchung belegt, dass es m\u00f6glich ist, die auftretenden Beschleunigungen an der Hornkapsel beim Auffu\u00dfen w\u00e4hrend des Trabs sehr genau aufzuzeichnen. Die Gesundheits- sch\u00e4den, verursacht durch unged\u00e4mpfte sto\u00dfartige Beanspruchung, k\u00f6nnten dann reduziert werden, wenn man auf Oberfl\u00e4chen reitet, die diese anf\u00e4ngliche sto\u00dfartige Beanspruchung es Hufes absorbiert. (BARREY et al., 1991, S. 106) Wenn man jedoch davon ausgehen muss, dass bei der Pferdenutzung in verschiedensten Bereichen nicht immer mit Bedingungen gerechnet werden kann, die f\u00fcr die Pferdegesundheit optimal sind, liegt der Gedanke nahe, das Sto\u00dfabsorptionsproblem \u00fcber den Beschlag zu l\u00f6sen. Das bedeutet, dass ein Kunststoffhufbeschlag sich gerade f\u00fcr Pferde eignet, die sich vermehrt auf harten und steinigen B\u00f6den bewegen.\u00a0<br>So liegt der Mittelwert der Maximalvertikalbeschleunigung beim mit Kunststoff beschlagenen Pferd auf Asphalt bei 343 m\/s\u00b2 (siehe Tab. 1). BARREY et al. (1991) ermittelte, dass ein auf Schotter trabendes, mit Eisen beschlagenes Pferd eine Beschleunigung von 372 m\/s\u00b2 auf die Hornkapsel erf\u00e4hrt. Das hei\u00dft, dass der verwendete Kunststoffhufbeschlag die am Huf auftretenden Beschleunigungen reduziert. Das mit Kunststoff beschlagene Pferd l\u00e4uft somit auf Asphalt gleich komfortabel wie das mit Eisen beschlagene, auf dem doch weicheren Schottergel\u00e4uf trabende Pferd. (BARREY, 1991, S. 104-106)\u00a0<br>Dass die Wertdifferenz zwischen Kunststoff und Eisen sehr hoch sein w\u00fcrde, war zu erwarten. Was jedoch nicht erwartet wurde, ist die Tatsache, dass die Maximalbeschleunigungen beim unbeschlagenen Pferd h\u00f6her liegen als bei den mit Kunststoff beschlagenen Pferden, wie im Vergleich der beiden Mittelwerte ersichtlich ist (siehe Tab. 1,2).\u00a0<br>So kann zu den Maximalbeschleunigungen in vertikaler Richtung (siehe Tab. 1) beurteilend festgestellt werden, dass der Eisenbeschlag die Belastungen auf die Gliedma\u00dfen materialbedingt verst\u00e4rkt. Der Kunststoffhufbeschlag hingegen absorbiert die beim Lauf auftretenden St\u00f6\u00dfe noch besser als ein unbeschlagenes, d.h. ein in seinem nat\u00fcrlichen Zustand befindliches Pferd.\u00a0<br>Die Ergebnisse in der Horizontalrichtung zeigen noch einen deutlicheren Unterschied zwischen den einzelnen Beschlagsvarianten (siehe Tab. 2). Die Horizontalbeschleunigung stellt im Prinzip das Gleitverhalten der verschiedenen Beschl\u00e4ge auf Asphalt dar. Wie aus der Tabelle 2 ersichtlich, liegen der Barhuf und er Eisenbeschlag wertm\u00e4\u00dfig gleich, d.h. auch das Gleitverhalten ist beim frisch mit Eisen beschlagenen Pferd nahezu identisch zum Barhuf. Der verwendete Kunststoffhufbeschlag gleitet kurz nach dem Beschlag auf Asphalt mehr als die beiden anderen Varianten. Es wird angenommen, dass dieser doch gravierende Unterschied beim Kunststoffhufbeschlag auf die spritzgusstechnisch nicht zu vermeidende Spritzhaut zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, die nach kurzer Zeit jedoch abgelaufen ist. Beim Eisenbeschlag ist zu vermuten, dass kurz nach dem Beschlag das Pferd nur auf den \u00fcber den Beschlag \u00fcberstehen-den N\u00e4geln l\u00e4uft. Durch die so auftretende starke Punktbelastung gleitet der Huf weniger, als dies nach dem Ablaufen der N\u00e4gel der Fall w\u00e4re. Speziell f\u00fcr diesen Bereich sollen die Unter-suchungen in Utrecht noch fortgesetzt werden, um die an gestellten \u00dcberlegungen zu best\u00e4tigen oder zu widerlegen.<br>Die Gesundheitssch\u00e4den, verursacht durch die unged\u00e4mpfte sto\u00dfartige Beanspruchung, k\u00f6nnten verringert werden, wenn man einen Hufbeschlag w\u00e4hlt, der diese anf\u00e4ngliche sto\u00dfartige Beanspruchung des Hufes absorbiert. Wenn man die in der Studie ermittelten Ergebnisse mit den Erkenntnissen aus Laufschuhtests in der Humanmedizin vergleicht (ERSSON,1996, S.1), so erm\u00f6glicht die D\u00e4mpfung des Hufaufpralls mit einem elastischen Hufbeschlag und eine weiche Bahnoberfl\u00e4che die Reduktion von Gesundheitssch\u00e4den. Auch k\u00f6nnten dadurch orthop\u00e4dische Sch\u00e4den durch \u00dcberbelastung der Hufbeine vermieden oder eingeschr\u00e4nkt werden. (BENOIT et al., 1993, S. 113)<br>Aus diesem Grund findet der Kunststoffhufbeschlag vermehrt Einsatz bei Distanz- und Fahr- pferden, die nutzungsbedingt viel Asphalt als Gel\u00e4uf vorfinden. Diese Gruppe von Sportpferden kann somit die materialbedingten Vorteile des Kunststoffhufbeschlages am besten nutzen. Auch Pferde, die bereits unter gesundheitlichen Beeintr\u00e4chtigungen stehen wie Arthrosen und andere Gelenkerkrankungen, k\u00f6nnen von der beschriebenen Sto\u00dfd\u00e4mpfung profitieren und so ihre Reitnutzung erhalten. Pferde, die meist auf weichen Untergr\u00fcnden bewegt werden, k\u00f6nnen die d\u00e4mpfende Wirkung des Kunststoffs kaum nutzen. F\u00fcr sie ist lediglich das geringere Gewicht ein Faktor, der sich positiv auf den Bewegungsapparat auswirkt.\u00a0<br>Die in Utrecht durchgef\u00fchrte Studie zeigt, dass der verwendete Kunststoffhufbeschlag auftretende St\u00f6\u00dfe an der Hornkapsel reduziert. Es kann somit vermutet werden, dass bei der Verwendung eines Kunststoffhufbeschlages der Bewegungsapparat geschont und somit eine l\u00e4ngere beschwerdefreie Nutzung des Pferdes wahrscheinlicher wird.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wer es noch genauer nachlesen m\u00f6chte und auch das dazugeh\u00f6rige Bildmateriel sehen m\u00f6chte, der sollte die \u201eDISTANZ AKTUELL\u201c, Ausgabe III\/2003, Seite 28-29 lesen, wo dieser Sachverhalt ungek\u00fcrzt zu lesen ist.&nbsp;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beschleunigungsbetrachtungen an der HornkapselDurchgef\u00fchrt wurden die Beschleunigungsuntersuchungen von der Universit\u00e4t Utrecht. Verwendete Hufbeschl\u00e4ge: Hippoflex-Kunstsoffbeschlag (Firma CERA, Kaufbeuren)Der Kunststoffhufbeschlag (Gewicht 166 g, Dicke 14 mm) ist ein flexibler Polyurethan-Beschlag. Der Grundgedanke bei Form und System dieses Beschlages ist, den Huf \u00e4hnlich dem Barhufl\u00e4ufer zu belasten. 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